„Deutschland hat eine große Chance“

Snowboard-Präsident Hanns Michael Hölz aus Heidelberg war bei der Abstimmung dabei – „München hat große Strahlkraft“
von Claus Weber
siehe RNZ vom 28.9.26
Heidelberg. Prof. Michael Hölz war als Präsident des deutschen Snowboard-Verbandes bei der Wahl des deutschen Bewerbers für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 in Baden-Baden dabei. Der 74-Jährige Handschuhsheimer führt „Snowboard Germany“ seit 2011 an. Er ist auch Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der olympischen Wintersportverbände im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und Vizepräsident des Olympiastützpunktes Rhein-Neckar. Mit der RNZ sprach er über die Chancen einer deutschen Bewerbung.
Herr Hölz, sind Sie zufrieden mit der Wahl Münchens?
Ja, denn das IOC schaut vor allen Dingen darauf, welche Strahlkraft ein Ausrichter entfachen kann. Und das spricht eher für München. Das Konzept von Rhein-Ruhr war auch nicht schlecht, ich war Mitglied in der DOSB-Kommission „Vision und Legacy“ und habe auch mitbewertet. Jetzt kommt es darauf an, dass wir uns alle hinter München stellen.
War die bayrische Landeshauptstadt auch Ihr persönlicher Favorit?
Sportpolitisch ist es schwierig für mich, darauf eine Antwort zu geben. Es war eine geheime Wahl. Aber ja, es gab viele Faktoren, die für München gesprochen haben.
Welche waren das Ihrer Meinung nach?
Es war vor allem Münchens ’One Village-Konzept’. Es waren die Nähe und die Kompaktheit der Spiele, das Vorhandensein von Sportstätten und deren Pflegezustand. Und – da wiederhole ich mich – die internationale Strahlkraft.
Womit hatte Nordrhein-Westfalen zu punkten versucht?
Unter anderem mit der großen Anzahl der verkaufbaren Tickets. Wenn 16 Städte und Gemeinden so etwas in einem bevölkerungsreichen Teil Deutschlands gemeinsam machen, kommt da viel zusammen. Auch Rhein-Ruhr hat beachtliche Sportstätten, wie zum Beispiel das Reit-Stadion in Aachen, die Fußball-Tempel in Dortmund oder Gelsenkirchen oder die Dortmunder Westfalenhalle.
Hamburg hat seine Bewerbung nach einer Bürgerbefragung zurückgezogen, Berlin nach der Senatswahl das Handtuch geworfen. Bedauern Sie das? Hätte Berlin nicht größere Chancen gehabt, vom IOC ausgewählt zu werden?
Das ist eine berechtigte Frage. Ich bedaure es, denn natürlich hat eine Hauptstadt – siehe Paris oder London – immer die größte Strahlkraft. Und doch war die Entscheidung der Berliner richtig. Was wäre passiert, wenn die politischen Entscheider im Zuge der Senatsbildung eine Bewerbung abgelehnt hätten?
Welche Chancen räumen Sie der deutschen Bewerbung überhaupt ein?
Ich glaube, wenn das IOC entscheidet, dass Olympische Spiele wieder in Europa stattfinden sollen, wird Deutschland – trotz der aktuellen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation – eine große Chance haben. Denn wir haben eine sehr gute Reputation für sportliche Großveranstaltungen, denken Sie nur an das Sommermärchen 2006 oder die Fußball-EM 2024. 2031 kommt die Leichtathletik-WM nach München, 2031 die nordische Ski-WM nach Oberstdorf.
München bewirbt sich auch um die Paralympics, doch der Deutsche Behindertensportverband durfte in Baden-Baden nicht mitstimmen…
Weil es in der Satzung nicht vorgesehen ist. Das kann und sollte man ändern. Wir sollten jedenfalls darüber nachdenken, wie wir gleiche Augenhöhe für olympische und paralympische Sportlerinnen und Sportler herstellen können.
Sie haben noch einen Aspekt vermisst?
Wir haben es in Baden-Baden versäumt zu sagen, dass wir uns auch deshalb bewerben, weil wir uns Aufbruchstimmung und einen Schub für den Vereins- und Schulsport erhoffen. Ich hätte mir gewünscht, auf der Bühne 30 Kinder zu sehen. Das ist nämlich die Generation, die uns 2036, 40 oder 44 vertreten soll. Wir sollten uns auch alle für mehr Sportförderung in Schule und Verein einsetzen. Das ist die Botschaft, die wir brauchen.
