Ironman Hawaii
"The way of the warrior"
09. Oktober 2010
Nach einer erfolgreichen Qualifikation beim Ironman Germany in Frankfurt Mitte Juli sollte es nun also tatsächlich nach Hawaii gehen. Eine achtmonatige Vorbereitung mit 4500 Radkilometern, knapp 1000 km Laufen und 180 km Schwimmen bis zum Qualifikationswettkampf haben gereicht, um einen der 24 Qualifikationsplätze in meiner Altersklasse zu erreichen.
Nach 3,8 km Schwimmen im relativ warmen Langener Waldsee – Neoverbot –, nach 185 km profilierter Radstrecke und 42 km Laufstrecke am Main ging es nach 9:48 h auf dem Römer in den Zielkanal, Finish, Ziel erreicht, Platz 20 in der Altersklasse.
Dann nach eher sporadischer Vorbereitung und dreiwöchigen Problemen mit der Achillessehne ist es dann im Oktober endlich soweit. Ein letzter und einziger Lauftest am Vortag war in Ordnung, 20 min ohne größere Probleme, Kinesiotape sei Dank. We will see, Hawaii bei 33 Grad und ich bin dabei.
Race-Day:
Der Wecker klingelt gegen 4 Uhr, nach einem kurzen Frühstück auf zum Body-Painting – ein künstlerisches Bemalen der Rennnummer auf dem Oberarm - noch ein kurzer Plausch mit Faris Al Sultan und ab ans Wasser. 6:30 Uhr dann der Profistart: Gänsehaut pur, dann geht es für 1800 Altersklassenathleten ins Wasser, tierisches Gedränge, um 7:00 Uhr dann ein Kanonendonner und die Bucht kocht, überall Arme, Beine und jede Menge Gewühl.
Unglaublich!!! Insgesamt geht es aber ganz gut, aus dem ganz großen Gewühl kann ich mich raushalten, ich will ja "nur" ankommen. Auf dem Rückweg vom Boot an der Wendemarke bei km 1,9 merkt man aber die Strömung gewaltig. Nach einem entspannten Wechsel dann aufs Rad und wieder ins Getümmel – doch bei absolutem Windschattenverbot relativ viele Gruppen, mich stört es nicht – ich genieße jeden Moment. Nach der ersten Stunde ein 34er Schnitt, lieber Tempo rausnehmen, das windige Stück nach Hawi kommt erst noch.
7 Meilen vor Hawi dann der berüchtigte Gegenwind, Windböen vom Land, die Geschwindigkeit fällt auf 20 km/h... es ist verdammt hart. Nach der Wende Entspannung?? Denkste, seitliche Böen, volle Radkontrolle und Oberlenker, an Aeroposition ist nicht zu denken. Vor allem die letzten 20 Meilen wieder nach Kona Stadt zehren, wieder bei Gegenwind und keiner Wolke - 35 Grad. Vorne kommen die Profis zum Energy Lab, eine geile Atmosphäre und ich bin dabei. Im Wechselzelt Sonnencreme nachtanken, genießen und freuen auf 42 km Sonne pur ... Jetzt verstehe ich das erste Mal, warum es "The way of the warrior" heißt. Schon nach 2 km merke ich, das es extrem hart werden wird, Blasen am rechten Vorfuß, inzwischen 36 Grad und eine Affenhitze ... go slow ... Hauptsache finishen... Zielzeiten spielen keine Rolle mehr. Zwischendrin immer Gehpausen, hält die Achillessehne??? An jedem Stand Wasser, Schwämme, Iso und Cola, Eis vorne und hinten ins Trikot, und nochmal Cola und Wasser, zu den Energie-Gels muss ich mich zwingen. Dann geht es raus auf den Highway, endlos und trotzdem ein irres Erlebnis. Ich genieße jeden Meter, überall Anfeuerungen und Aufmunterung.
Bei km 30 wollen zwei Jungs im Hularock Sex mit mir, ich überlege nur kurz ... schnell weiter, keine Option. Bei km 34 gäbe es "hugs for free" von einer extrem leicht bekleideten Dame ... ich überlege wieder nur ganz kurz, aber wieder keine sinnvolle Alternative. Ab dem Energy Lab (km 28) weiß ich dann, dass ich es schaffen werde, die Sehne wird halten. Werde zwar weiter relativ oft überholt, stört aber kein bißchen, weiter genießen... ... Nur noch zurück, und langsam wird es auch kühler... stimmt, die Sonne ist auch schon fast weg. Welch ein Tag!!! Gedanken schwirren durch den Kopf, die gesamte Vorbereitung, das Rennen in Frankfurt, die Entbehrungen, vor allem die der Familie ... ja, es hat sich gelohnt. Sehr!!!
Nur noch die Palaniroad runter, dann 600 m retour in Richtung Osten und auf dem Aliidrive in Richtung Ziel. Das Tempo wird schneller, endlich ein Renntempo unter 4:45 / km, das Grinsen wird breiter, Endorphine summen im Körper, so könnte ich noch ne Weile laufen. Dann das Ziel, abklatschen überall, Freude und Emotion pur. Das absolut geilste und emotionalste sportliche Erlebnis meines Lebens. Es stimmt, es ist das bedeutendste und genialste Event.
Danke für allen Support, ich habe es genossen – Sehr.
Tom Böker-Blum – Finisher Hawaii 2010 – Time 11:11 h

